Gestern spät abends hatte ich Gelegenheit, meine Vorurteile bezüglich des Fernsehprogramms zu überprüfen. Ich zappte also durch die Kanäle, fand einen leidlich guten Film (aber da wurde der Hund schlecht behandelt, deswegen habe ich weitergeschaltet) und viel Schrott. Und eine Talkshow, was, wie ich der FAZ entnommen habe, mittlerweile die selbstgewählte Königsdisziplin des deutschen Fernsehens sein soll – Talkshows allerorten.
Dort nun saßen zwei Damen und vier Männer beisammen und redeten über einen nicht anwesenden weiteren Herren. Über jenen Herren, dessen Briefkopf vermutlich einen kompletten Briefbogen füllt: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg.
Komisch, daß alle über ihn reden.
Daß er selbst das tut, mag ja noch angehen. Daß er ein politisches Comeback versuchen will, ist geschmacklos, aber nun ja: Daß er nicht fähig ist, sich zu schämen, hat er bereits mehrfach bewiesen. Daß die “Zeit”, die früher mal ein annehmbares Blatt war, sich zu seinem Steigbügel verbiegt – geschenkt. Aber warum reden alle über ihn? Als Politiker ist er, was alle Politiker sind: nur die Illusion eines Menschen. Und als Mensch ist er auch nur eine.
Herr zu Guttenberg war drei, als sich seine Eltern trennten. Die Ehe wurde später geschieden, danach annulliert. Das heißt: Die Ehe hat nicht existiert. Daraus folgt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg nicht existiert.
Heute, habe ich gesehen, gibt es wieder eine Illusionstalkshow. Ich muß mir das nicht angucken. Meine Vorurteile sind bereits gestern alle bestätigt worden.


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