Schreiben

der nachtwächter

oft begleitet er mich wenn ich spätabends
hinabsteige in die verborgenen kammern
in denen die wände geschichten erzählen

und wenn alles gesagt wenn alles angehört ist
legt er seinen kopf neben meinen
und schließt die augen das sehende wie das blinde

denn nur mit dem geschlossenen blinden auge
sieht er was ich träume sieht
was sonst noch umherschwebt im raum

und manchmal wenn ich im schlaf unruhig werde
senkt er sein dunkles gesicht über meines
und murmelt und flüstert oder singt ganz leise

ich verstehe nichts ich werde nicht mal wach
doch die unrast versickert unter dem bett
und er deckt mich mit einer stille zu

schon einmal gab es eine wächterin
über meinen schlaf sie war weiß sie starb früh
sie musste zu viel tragen

ihr folgte ein dämon
schwarz wie der teufel
schon tags wich er nicht von meiner seite

und die nacht über glühten seine wolfsaugen
und er knurrte
wenn mir ein albtraum zu nahe kam

heute bewacht der wächter mit dem sehenden
und mit dem blinden auge meinen schlaf
gibt acht dass herz und atem nicht stocken

und falls doch rückt er näher und leiht mir seinen puls
und wenn der tod herbeischleicht und gefährlich tut
dann setzt er sich auf zeigt seine zähne und lacht ihn aus