
Anderwelt
Mein neues Fotoprojekt heißt Anderwelt, nach der Anderwelt oder Anderswelt der Kelten: Die Toten befinden sich nicht in einem fernen Jenseits, sondern im Diesseits, nur auf einer anderen Ebene. Und die Grenzen sind durchlässig. Wenn jemand stirbt, ist er nicht einfach fort.
Ich habe Hinterbliebene mit ihren Toten fotografiert. Die Kamera kann die Toten nicht sehen. Aber sie sind im Gesicht der Hinterbliebenen erkennbar, in ihren Augen, ihrer Haltung, in ihren Gesten. Und ich habe die Lebenden um Texte gebeten. Über ihre Trauer. Oder über die Freude, eine Spanne Zeit mit den Verstorbenen gehabt zu haben. Über den Tod oder das Leben. Oder über alles zusammen.
Die nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hat gesagt: „Trauer ist das Glück, geliebt zu haben.“
Am 04.04.2026 findet um 18 Uhr die erste Ausstellungsvernissage des Projekts Anderwelt in der Galerie Metavier in Hannover-Linden (Minister Stüve-Str. 14) statt. Zum 29.05.2026 zieht die Ausstellung in die Galerie Schafstall in Bad Essen bei Osnabrück (Bergstr. 31) um. Im Herbst wird sie in Hamburg gezeigt, im Trauerzentrum St. Thomas Morus, anschließend in Berlin.
Ich bin sehr dankbar für die Förderung des Projekts durch die Förderstiftung des Unionhilfswerks Berlin, durch die Stiftung Deutsche Bestattungskultur und durch die Stiftung Edelhof Ricklingen. Details zu dem Projekt gibt es auch in einem Artikel aus der Zeitschrift „Bestattungskultur“, der hier nachzulesen ist.
Im Wehrhahn-Verlag erscheint das Anderwelt-Buch: Hardcover, 64 Seiten 28,5 x 19,5 cm, mit 23 Schwarzweißfotos und ebenso vielen Texten und mit einem Aufsatz von mir. 20 Euro, ISBN 978-3-98859-164-7.
Auf dem Foto oben ist Sanella Fatkic mit ihrem Sohn Sinan zu sehen. Sinan war 16, als er 2023 praktisch vor den Augen seiner Mutter von einem Nachbarn erschossen wurde.

