Schreiben

die letzten tage


ich hatte dir eine sms geschickt
erste straße rechts nach der brücke
hatte ich geschrieben vorbei am
teatro la fenice hatte ich geschrieben
dann geradeaus da findest du das hotel
klein und dunkel wie kaffee

natürlich wusste ich
du kommst nicht

abends in einer abseitigen gasse
die besten spaghetti der stadt leber
nach art des hauses vino bianco
an plastiktischen unter neon

natürlich wusste ich
du magst so was nicht

und all das wasser der faulige tod
und alles erloschen in mir die schuhspitzen
an der steinkante tagein tagaus
frierend in der sonne

natürlich
hatte ich dich längst vergessen


Dieser Text ist mehr als 20 Jahre alt. Als Peter Marggraf von der San Marco Handpresse Texte zu seinen Versionen der Caprichos von Goya suchte, fand ich in der Liste das Capricho Nr. 10, "Die Liebe und der Tod", und erinnerte mich an das Gedicht. Es hatte es nie in einen meiner Gedichtbände geschafft. Aber so wurde es doch noch, ein bisschen nachbearbeitet, im Frühjahr 2025 in der "Caprichos"-Anthologie in Peter Marggrafs "I Libri Bianchi"-Reihe veröffentlicht.